Lieder schreiben: Was ein guter Song braucht

Blog'n'Roll - Was ein guter Song wirklich braucht

Songwriting – die hohe Kunst des Lieder Schreibens. Wenn mir jemand vorhergesagt hätte, wie verdammt nervenaufreibend es sein kann, eigene Songs zu schreiben – von der allerersten Idee bis zum fertigen Lied – Puh! Für alle, die Starthilfe beim Schreiben oder ein paar Anregungen brauchen, wie ihr beim nächsten Song schneller zu einem Ergebnis kommt, der folgende Beitrag ist für euch. Die Zusammenfassung könnte etwa so lauten: Feiert jede noch so simple Idee – solange sie irgendetwas bedeutet.

Wie du deinen eigenen Song beginnst

Wie und wo steigst du am besten ins Songwriting ein? Mit den Lyrics, einer Melodie, oder doch erstmal der Gitarrenbegleitung? Die kurze Antwort: Es gibt keine. Die lange: Probier’s aus. Und lies dir dabei gerne mal diesen Beitrag durch, wie du in die richtige Stimmung zum Songwriting kommst. Das ist tatsächlich die entscheidende Erfahrung, die ich beim Song Schreiben gemacht habe. Jeder Song ist anders. Manchmal fliegt dir eine Melodie zu. An anderen Tagen spielst du Gitarre und hast plötzlich ein Riff, dass dich total begeistert. Oder dir fällt eine Textzeile ein, vielleicht ein Wortspiel, oder ein bestimmter Begriff oder Spruch, der die Situation, in der durch dich gerade befindest, auf den Punkt trifft. Genau das macht für mich einen guten Song aus: Die Stimmung, aus der er entstanden ist. Und wie du diese Stimmung in ihm zum Ausdruck kommen lässt. Mit anderen Worten: Was ihr mit diesem Song wirklich zu sagen habt.

Ein Song braucht eine Melodie, Akkordfolge, oder Textzeile, die dir was bedeutet

Deshalb kann ich nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass der Song, und die Musik, irgendwie irgendwas bedeutet – vor allem für euch selbst. Das gilt für die komplizierteste Avant-Garde Mucke wie für Festzelt-Schlager. Am Ende zählen die Vibes – det Gefühl…die Stimmung. Ganz einfach. Könnt ihr mir gern was von musikalischem Anspruch und so erzählen. Könnt ihr. Hört euch eine Runde Kraftwerk an und spürt den Puls von Maschinen. Legt die „Let it Bleed“ auf den Plattenspieler und hört euch mit dem zeitlosen Klassiker „Gimme Shelter“ zurück in die turbulenten 1960er. Oder geht bei euch im Kaff auf eine Kerb (hessisch für Volksfest) und wartet bis Heinz Rudolf Kunze kommt und ihr plötzlich oben auf der Bierbank mittanzt.

Warum ist das Gerede von Gefühl und Vibes und so jetzt wichtig? Weil ihr mit eurem Song was mitteilen wollt. Oder? Und die spannendsten Botschaften, die ein Song transportieren kann, klingen zwischen den Zeilen, schwingen zwischendrin mit. Ihr könnt natürlich auch rational an die Sache rangehen und versuchen, eure Hörer etwa mit euren technischen Fertigkeiten zu überzeugen. Das geht. Klar. Ist auch durchaus sehr beeindruckend anzuhören und zu sehen. Baut aber unweigerlich eine Distanz zwischen Musiker und Publikum auf. Weil die „Attraktion“ an der ganzen Nummer letzten Endes (nur) die Virtuosität ist, also die handwerkliche Unerreichbarkeit der Musiker, die sich da auf anspruchsvollste Weise verausgaben.

Viel schöner und nachhaltiger könnt ihr eure Hörer und euch selbst beeindrucken, wenn ihr Nähe schafft. Genau das erfordert eine Menge Mut. Wer den nicht hat, versteckt sich gerne mal hinter technisch kompliziertem Geklimper.

  • „Ne, die Akkordfolge gibt’s schon so oft.“
  • „Ich glaube, die Melodie habe ich schonmal irgendwo gehört.“
  • „Noch ein Song über Liebe?!“

Schonmal gehört oder selber gedacht? Lasst diese Zweifel hinter euch und schreibt den einfachsten Song, den ihr je gehört habt. Nehmt es als Challenge. Warum nicht. Hauptsache ihr schreibt euren Song – der euch was bedeutet. Disclaimer: Der darf dann gerne auch gerne auch anspruchsvoll, kompliziert, vertrackt, und auf den ersten Listen vielleicht sogar ziemlich schwer zu verstehen sein – genau wie das Gefühl, dass er transportiert.

Wenn du dir den Song nicht merken kannst, vergiss ihn

Woran ihr noch erkennen könnt, dass ihr auf dem besten Wege seid, einen richtig guten Song zu schreiben? Ihr könnt ihn euch merken. Vielleicht ist er kein brutaler Ohrwurm. Vielleicht ist er auch nicht für jeden eurer Freunde, denen ihr ihn zeigt, sonderlich beeindruckend. Aber er bleibt euch im Ohr – er setzt sich in eurem Bewusstsein fest. Mit anderen Worten: Dieser Song hat irgendwas. Irgendwas, das ihn markant macht. Und sei es nur ein Teil der Melodie, ein Part der Akkordfolge, oder eine bestimmte Textzeile. Irgendwas, das euch und anderen etwas bedeutet.

Wie ihr checken könnt, was genau das ist? Stellt euch – ganz pathetisch – vor, ihr habt noch 3:33 Minuten zu leben und habt die einmalige und letzte Chance, einen eurer Songs dem einen Menschen vorzuspielen, der euch am meisten auf dieser Welt bedeutet. Yeah, I know – ziemlich pathetisches Szenario. Aber ihr wisst, was ich meine – oder?

Mein Fazit: Melodie trumpf Text – Zumindest fast immer

Deswegen würde für mich die Melodie auch immer den Text übertrumpfen. Weil es um die Message geht, und nicht die Lyrics. Aber hey – auch ich kann mich nicht vor meinem eigenen Anspruch verstecken. Manchmal tüftle ich Tage an einer Textzeile, um dann zu merken, dass sie sich nicht ansatzweise singen lässt. Andere vermeintlich simple Songzeilen fliegen dir wie aus dem Nichts zu und fühlen sich gleich total natürlich an.

Das liegt oft daran, dass Songwriting von der spontanen Energie lebt, die beim Kreativ Sein kommt – wenn sie denn kommt. Passiert leider auch nicht jeden Tag. Aber wenn es passiert, macht man spontan häufig viele Dinge richtiger als beim stundenlangen Grübeln. Die Kunst des Songwritings liegt genau in dieser Balance zwischen Passieren Lassen, Ausprobieren und den Prozess des Lied Schreibens Stück für Stück in ganz bestimmte Bahnen zu lenken. Wenn ihr dabei auf euren Bauch und euer Herz hört und ab und zu euren Kopf auch noch zu Wort kommen lasst, seid ihr auf dem besten Weg. Bleibt am Ball!

Veröffentlicht von Johannes Kohrs

Gitarrist, Moderator und Herausgeber von Jam Schwätzen.

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